Wie „grün“ ist unsere Energie in Deutschland wirklich?

Viele Energieanbieter in Deutschland werben mit Ökostrom-Tarifen, aber wie „grün“ diese wirklich sind, ist für die Verbraucher nur schwer zu erkennen.
Kritiker sagen der Strom in Deutschland sei eher „grau“ als „grün“ und der Nutzen für die Umwelt gehe gen Null. Wer als wirklich zum Umweltschutz beitragen will, sollte bei seinem Tarif also genau hinschauen.

Ist das ein Problem?

Der Begriff „Ökostrom“ ist in Deutschland nicht gesetzlich definiert. Das liegt auch das eigentliche Problem: „Ökostrom“ kann daher für verschiedene Produkte verwendet werden.
Unter all den Anbietern dann einen echten „Ökostromanbieter“ zu finden, gestaltet sich für Verbraucher besonders schwierig.
In Deutschland sind nur 31,7 Prozent (Stand 2016, Quelle: BMWi) der genutzten Energie grün d.h. sie stammen aus regenerativen Energiequellen wie Solarenergie, Biokraftmasse, Wasser- oder Windkraft. Denn nicht alles was als „grün“ gilt, ist wirklich Ökostrom.

Einen „sauberen“ Anbieter finden

Mittlerweile bieten alle großen Stromversorger Ökostrom-Tarife an. Doch Verbraucher- und Umweltschützer betrachten diese Angebote mit Skepsis, denn viele dieser Anbieter produzieren weiterhin Atomenergie und bauen Kohlekraftwerke. Oder aber der Anbieter bezieht den grünen Strom, den er an die deutschen Kunden weitergibt, aus dem europäischen Ausland. Auf diese Weise bezieht der Endkunde zwar Ökostrom, trägt aber nicht zur Energiewende in Deutschland bei.
Für Kunden ist es also wichtig bei ihrem Anbieter auf zwei Aspekte zu achten: Und zwar, dass dieser unabhängig von der Atomlobby arbeitet und den Ausbau erneuerbarer Energien vorantreibt.

Wie Ökostrom-Zertifikate und Gütesiegel dabei helfen können

Ökostrom-Zertifikate geben hauptsächlich eine Aussage darüber, aus welchen Quellen der Strom kommt und wie er sich zusammensetzt. Diese Zertifikate können gehandelt werden.
Bekannt ist vor allem das „Renewable Energy Certificates System“ (kurz RECS). Für jede kWh Strom, die ein Betreiber einer durch RECS zertifizierten Anlage produziert, erhält dieser RECS-Zertifikate. Diese Zertifikate kann er an andere Stromanbieter teuer weiterverkaufen. Mit den gekauften RECS-Zertifikaten kann dieser Anbieter seinen Strom nun als Ökostrom verkaufen, auch wenn er selbst keinen produziert.
Die Ökostrom-Gütesiegel hingegen setzen voraus, dass der Anbieter von Ökostrom-Tarifen auch den Ausbau von erneuerbaren Energien unterstützen muss.
Zu den bekanntesten Siegeln gehören der TÜV, das Grüner Strom Label oder das ok-power-Label.

Was kann ich als Kunde tun?

Wer als Verbraucher wirklich grünen Strom beziehen will und zum Umweltschutz beitragen will, der sollte sich also bei der Wahl des Tarifs und Anbieters an den Gütesiegeln orientieren. Diese versprechen, dass der Strom tatsächlich zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen stammt. Darüber hinaus muss der Anbieter nachweisen können, dass er zum Ausbau von regnerativen Energiequellen beiträgt.