Herbizid Glyphosat: Der Krebserreger in unserer Erde?

Hobbygärtner kennen es, Agrarwirte fürchten es: Unkraut. Jahrelang wurde der Unkrautvernichter Glyphosat ohne Bedenken weltweit gegen das wild wachsende Kraut eingesetzt. Es ist eines der meist verwendeten Unkrautbekämpfungsmittel weltweit. Pünktlich zum Ablauf der Zulassung von Glyphosat stuft die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dieses als „wahrscheinlich krebserzeugend beim Menschen“ ein und entfacht damit eine Diskussion über die Sicherheit unserer Lebensmittel, die Macht von Industrielobbyisten und die Folgen von chemischen Unkrautbekämpfungsmitteln.

Was ist Herbizid Glyphosat?
Als Herbizide gelten Substanzen, mit deren Hilfe störende Pflanzen abgetötet werden – also Unkrautbekämpfungsmittel. Besonders in der Landwirtschaft werden Herbizide eingesetzt, Glyphosat ist dabei einer der am häufigsten eingesetzten Unkrautvernichter weltweit.

Bei Glyphosat handelt es sich um ein sogenanntes Vorauflauf-Herbizid, diese Herbizide werden vor oder während der Saat eingesetzt, anders als die Nachauflauf-Herbizide, die erst nach der Bildung erster Keimblätter eingesetzt werden. Glyphosat wird nicht über die Wurzeln, sondern über die grünen Pflanzenteile aufgenommen und verhindert die Biosynthese.

Ist Glyphosat ein Karzinogen?
„Wahrscheinlich krebserzeugend“ lautet das Urteil der Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation, IARC. Es gäbe stichhalte Hinweise auf eine genotoxische Wirkung, ein Wirkungszusammenhang konnte aber nicht eindeutig belegt werden.

Die IARC – Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO) – stuft das Herbizid Gylphosat als „wahrscheinlich krebserzeugend beim Menschen“ ein, während das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) das Gegenteil behauptet und dieses auch der zuständigen EU-Behörde EFSA meldete, die sich dieses Jahr mit der Zulassung von Glyphosat auseinandersetzen muss.

Zu dem Schluss „wahrscheinlich krebserzeugend“ kam die IARC im Rahmen ihrer Untersuchung des Herbizids. Grundlage der Untersuchung seien über 200 Studien gewesen, ausschließlich publizierte Veröffentlichungen, gegen nicht öffentliche zugängliche Industriestudien habe sich der IARC bewusst entschieden. Laut IARC hätten Tierversuche ausreichend Beweise für die Karzinogenität von Glyphosat geliefert. Bereits bei den niedrigsten Dosen könne eine genotoxische Wirkung beobachtet und krebserzeugende Mechanismen ausgelöst werden.

Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung hingegen stützte sein Ergebnis hauptsächlich auf eine Studie der Glyphosate Task Force – der Agrarchemiefirmen, wie Monsanto Europe, Syngenta und Dow unter anderem angehören. Dass sich das Bundesinstitut für Risikobewertung von der Industrie beeinflussen lasse, wies dieses entschieden zurück. Wie das BfR aber sein zweifelhaftes Urteil gefällt hat, wurde nicht genauer erklärt.

Die Gefahren von Glyphosat
Neben der möglichen Karzinogenität von Glyphosat stellt dieses auch eine Gefahr für die Sauberkeit des Grundwassers dar. Durch die zunehmende Resistenz der Pflanzen steigern viele Landwirte die Menge des Unkrautvernichters, die Folge: der Boden kann den Wirkstoff nicht komplett abbauen und der Regen spült so den nicht abgebauten Teil des Glyphosat in nahe gelegene Bäche und Flüsse – das genotoxische Unkrautvernichtungsmittel gelangt so in das Grundwasser.

Doch nicht nur die Menschen werden bedroht, auch die Tierwelt ist von der toxischen Wirkung betroffen, denn mit der Vernichtung der Wildkrautflora gehen Nahrungsquellen und Lebensräume verloren. Außerdem habe sich gezeigt, dass Glyphosat oxidativen Stress auslösen könne – eine Belastung für Fische und andere Wasserlebewesen, die bereits nachgewiesen wäre.

Kann man sich gegen Glyphosat wehren?
Die Entscheidung zur Einstufung des Unkrautbekämpfungsmittels liegt jetzt vor allem bei der EU. Viele Hobbygärtner verzichten schon jetzt auf das Herbizid, doch die Gefahr liegt nicht in den Kleingärten, sondern in den Äckern und Feldern von denen das Obst und Gemüse, dass wir im Supermarkt kaufen, stammen. Denn 700.000 Tonnen Glyphosat werden jährlich weltweit in der Landwirtschaft eingesetzt – Tendenz steigend. Wer sicher gehen möchte, dass in seinem Essen keine krebserregenden Mechanismen sind, sollte auf Bio-Produkte umsteigen.

Die Zukunft von Glyphosat
Hinter Glyphosat steckt das Wunschdenken, dass ein biologisch abbaubares Mittel, Unkraut tötet. Doch auch das wild wachsende Kraut entwickelt zunehmend eine Resistenz. Denn der Einsatz von Glyphosat vervierfachte sich in Deutschland in den letzten 20 Jahren.

Die Zulassung von Glyphosat steht auf europäischer Ebene auf der Kippe, denn die zuständige EU-Behörde EFSA möchte auch unter Berücksichtigung der Untersuchung der IARC im Rahmen des Zulassungsverfahrens eine Entscheidung treffen.