Finger weg von Nutella: Schadet die Schokolade auf dem Brot unserer Umwelt?

Die französische Umweltministerin Ségolène Royal sorgte kürzlich mit einem Aufruf zum Nutella-Boykott für Unruhe. Royals Vorwurf: der allseits beliebte Brotaufstrich würde mit Palmöl hergestellt, für dessen Gewinnung große Waldflächen gerodet würden. Müssen wir zukünftig der Umwelt zu liebe auf unser geliebtes Nutella-Brot am Morgen verzichten?

„Tausendfach Entschuldigung für die Kontroverse über Nutella“

Palmöl wird aus dem Fruchtfleisch von Ölpalmen gewonnen, die sich besonders gut im tropischen Klima entwickeln. Für Ölpalmplantagen werden daher seit Jahren große Teile des Regenwaldes gerodet, wodurch wichtige Ökosysteme zerstört, Einwohner vertrieben und mit gesundheitsschädlichen Chemikalien der Boden verseucht wird. Doch Ferrero wies die Vorwürfe zurück und selbst die Umweltschutzorganisation Greenpeace entlastete den italienischen Lebensmittelhersteller mit der Begründung, dass Ferrero sich gemeinsam mit anderen Unternehmen verpflichtete die Palmöl-Gewinnung verbessern zu wollen. Der italienische Lebensmittelhersteller hatte 2013 erklärt nur noch Palmöl aus nachhaltig bewirtschafteten Plantagen zu verwenden.

Für Greenpeace steht fest, dass ein Nutella-Boykott die Probleme, die der Palmölanbau mit sich bringe nicht lösen würde. Denn selbst der Anbau der Substitute sei ähnlich schädlich für die Umwelt: für Kokosöl müssten Wälder in den Philippinen und Indonesien gerodet, für Soja in Lateinamerika. Die Erklärung von Ferrero zukünftig nur nachhaltig angebautes Rapsöl zu verwenden sieht der Palmöl-Verband als eine Errungenschaft des Umweltschutzes, die Ségolène Royal und somit die französische Regierung nicht anerkennen würden. Weitere Umweltschützer fordern sehen die Konsumenten in der Pflicht, sich einmal bewusst zu machen, wie Palmöl angebaut werde und wie viele Produkte – nicht nur Lebensmittel, sondern auch Kosmetika und Reinigungsmittel – Palmöl beinhalteten. Die ehemalige Präsidentschaftskandidatin der Sozialisten ruderte mit ihrem Aufruf via Twitter zurück und bat um „Tausendfach Entschuldigung für die Kontroverse über Nutella“.

Nutella sorglos genießen?

Dabei sollten die Zutaten Haselnuss und Kakao die Konsumenten eher zum Boykott bewegen, denn Berichten von Greenpeace zu Folge sollen auf diesen Plantagen vor allem Kinder arbeiten. 25% der weltweiten Haselnussernte kämen aus der Türkei, wo jährlich rund 400.000 Kinder zwischen 6 und 17 Jahren in der Landwirtschaft arbeiten. Auch der Kakao in Nutella, der beispielsweise aus Ghana, Nigeria oder Ecuador stamme, soll laut NDR von Kindern unter sklavenähnlichen Bedingungen geerntet werden.